KULT AUS DEM KESSEL - 25 JAHRE KOLCHOSE

Es ist nicht wo du bist, es ist was du machst. Diese Einstellung hat vor 25 Jahren ein paar junge kreative Menschen davon abgehalten, nach Berlin zu ziehen. Zum Glück. Denn Stuttgart wurde damit zur "Mutterstadt" des deutschen Hip Hop und noch heute erwähnt die Musikszene anerkennend den frischen Wind, der damals vom Kessel aus über ganz Deutschland fegte. Nun widmet man der Kolchose, dem 1992 in Stuttgart gegründeten Künstlerkollektiv aus Musikern, Sprayern und Breakdancern im Stadtmuseum Stuttgart eine eigene Ausstellung, die noch bis zum 10. Dezember läuft und bei der tatsächlich für jeden was dabei sein dürfte.

Zunächst natürlich für die älteren Semester unter uns. Sie können hemmungslos in Erinnerungen schwelgen, über die bewegten Zeiten damals in den 90ern im Jugendhaus Mitte, als es noch die Firma Bonn, die Fantas von Stuttgart aus die Charts eroberten und Max Herre und Joy Denalane Hand in Hand durch die Stadtmitte spazierten. Fotos gucken, alte Graffitis bewundern, konserviertes Songtextgekritzel auseinandernehmen, sich in die Grundtechniken des DJing einweisen lassen und vieles mehr kann man täglich um 18 Uhr - da gibt es eine kostenlose öffentliche Führung durch die 25K-Ausstellung. Freitags übernimmt die "DJ 5ter Ton" höchstpersönlich.

Wer in den 90ern keine Baggypants, sondern noch Hemd und Hose am Stück getragen hat, sich aber trotzdem für Hip Hop interessiert, dürfte an der Ausstellung im Wilhelmspalais ebenfalls Gefallen finden. Denn man bleibt keineswegs in der Vergangenheit stecken. Hip Hop Kultur ist urbane Kultur und spielt natürlich auch heute noch eine wichtige Rolle. Welche genau wird in Podiumsdiskussionen zu Themen wie „Spannungsfelder zwischen Hip-Hop und Hochkultur“ (am 6.12. um 19 Uhr) oder "Hip Hop heute" (am 9.12. um 19 Uhr) erklärt. Außerdem gibt es verschiedende Mitmach-Angebote, z.B. einen Breakdance-Workshop am 3. Dezember.

Zu einem solch feierlichen Anlass dürfen natürlich auch ein paar Promis nicht fehlen. Max Herre und Afrob geben sich die Ehre und schauen mal wieder in der alten Heimat vorbei: Am Sa, den 2. Dezember sprechen sie zuerst mit Sybille Rau-Pfeiffer (ehemals Cumulus Kulturbüro), Prof. Hubert Wandjo (Popakademie Baden-Württemberg) und Dr. Torben Giese (Stadtmuseum Stuttgart) über "Die Kolchose und ihre Mutterstadt". Danach gibt's eine wilde Sause mit FK Soundsystem (Max Herre & DJ Friction) feat. Afrob und DJ Emilio. Da leben die 90er wieder auf.

Palais der Kolchose noch bis 10.12. im Wilhelmspalais in Stuttgart.
__________________
Thekla Dörler