SCHWABYWOOD

Okay, es gab schon ruhmreichere Zeiten für Hollywood. Trotzdem werden auch wir über die Feiertage wieder dankbar sein, dass wir nicht die ganze Zeit Rosamunde Pilcher gucken müssen oder Krimis, die vielleicht sozialkritisch, aber halt einfach nicht spannend sind. Manchmal geht doch nix über so einen richtig schönen Blockbuster. Und wer hat’s erfunden? Ha ja, der Herr Lämmle aus Ländle.

Carl Laemmle geboren 1867 in Laupheim wanderte 1884 in die USA aus, um dort sein Glück zu finden. Das klappt nur so bedingt gut. Erst im Januar 1906 beschließt der schwäbische Auswanderer sich in Chicago ein Filmtheater zu kaufen. Zum Eintrittspreis von fünf Cent - ja das waren noch Zeiten - konnten die Besucher von früh bis spät Kurzfilme anschauen. Das Business boomt und Laemmle expandiert: bald gehören ihm 50 Kinos. 1907 gründet er einen Filmverleih, der schnell der größte Nordamerikas ist, und zwei Jahre später eine Produktionsgesellschaft.

In einer ausgestorbenen Gegend bei LA, heute als Hollywood bekannt, kauft Laemmle eine Hühnerfarm und errichtet dort ein modernes Filmstudio: Universal City. Zur Eröffnung 1915 ist bereits die High society geladen. In den folgenden Jahren stellt Universal Filme wie am Fließband her. In Tausenden Vorspännen heißt es ab da: "Carl Laemmle presents ..." So, Hollywood verdanken wir also einem Schwaben. Und ein paar bekannte Action Streifen auch. Der wohl berühmteste Sindelfinger Roland Emmerich hat bekanntlich Kinokassenschlager wie Independence Day, Godzilla und 2012 produziert - und im vergangenen Frühjahr übrigens einen Carl-Lämmle Preis dafür bekommen. Als wär das alles nicht erstaunlich genug, ist das Ländle auch noch maßgeblich an einem der größten Serienerfolge der letzten Jahre beteiligt - „Game of Thrones“. 

Der riesige Titan von Braavos – und der gleichnamige fiktive Stadtstaat – wurden nämlich in Stuttgart designt. In der hiesigen Zweigstelle von Pixomondo wird außerdem der größte Teil der Animationen im Serien-Epos kreiert und die Gesamtleitung aller Effekte liegt ebenfalls beim Stuttgarter Team. Für diese Arbeit wurden die Schwaben bereits mit dem Emmy Award ausgezeichnet.
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Thekla Dörler