3, 2, 1, GOOOOO!

So schallt es für mich seit neun Monaten über den Sportplatz. Damals haben zwei Freunde mich überredet, mit mir zum Gettoworkout zu kommen. Erst einmal war ich natürlich stutzig wegen des Namens. Ghetto? Muss man da mit Tattoos und schwarzer Kapuze zum Training gehen und rappen? Da meine beiden Freunde so gar nicht nach Gangster aussehen und nicht aufhörten, davon zu schwärmen, kam ich schließlich mit. Und war sofort angesteckt vom Gettoworkout-Fieber. So sehr, dass ich jetzt eine Instructorausbildung dafür gemacht habe, also im Prinzip einen Trainerschein.

Gettoworkout hat nämlich wenig mit dem Ghetto-Style zu tun, den viele damit assoziieren. Es ist eine Wortneuschöpfung aus „get together“, was für Gemeinschaft stehen soll. „Getto“ betont den urbanen Charakter. Es ist ein hochintensives Ganzkörper-Workout, bei dem sowohl Anfänger als auch Leistungssportler ins Schwitzen kommen. Es gibt verschiedene Varianten des Workouts, die sich aus mehreren Übungen zusammensetzen, die in Zeitintervalle, sogenannte „Sätze“ untergliedert sind. Ich bin jedes Mal wie tot nach dem Training, aber glücklich. Das möchte ich weitergeben. Als nun Moritz Fleisch, einer der Gründer von Gettoworkout, extra für eine Instructor Academy aus Augsburg nach Tübingen anreiste, ließ ich mir diese Gelegenheit nicht nehmen.

Das Ausbildungswochenende beginnt mit einer Vorstellungsrunde. Moritz Fleisch, der Mitgründer von Gettoworkout, ist studierter Geograf und kommt ursprünglich aus dem Bereich der Leichtathletik. Er ist bei der Firma Gettoworkout derjenige, der für die Konzeption der Workouts und für die Ausbildung der neuen Instructors verantwortlich ist. Mischa Schreiner, einer der Trainer in Tübingen, ist inzwischen auch Teil des Hauptteams und mit seiner sportlichen Expertise aus dem Studium und vom Fußball und aus der Leichtathletik ein echter Fachmann. Wir Neulinge sind ein bunter Haufen. Uns eint eigentlich nur eines: Dass wir Lust auf Bewegung und Spaß an Herausforderungen haben.

Das motiviert auch für den großen Theorieblock. Inzwischen gibt es rund 200 ausgebildete Instructors in vielen deutschen Unistädten, Tübingen und Augsburg sind dabei die Spitzenreiter. Die wichtigsten Elemente eines Workouts sind neben den Übungen die Kommandos: Als Anfangssignal für jede Übung kommt „3, 2, 1, Goooooo!“ und zu jedem Ende ein lautes „Break!“. So weit, so gut. Nun analysiert Mischa anhand von Videos jede einzelne Übung, die in einem Workout vorkommen kann. Push-Ups, Burpies und Line-Jumps sind bekannte Begriffe, die fast jeder Sportler versteht, aber wir, die wir schon länger gettworkouten wissen natürlich auch, was Eagles, Clap-Crunches und Snow Angels sind. Es sind alles Übungen für Rumpf, Beine, Bauch und Rücken, die man nur mit dem eigenen Körpergewicht machen kann. Mischa analysiert mit uns genau die Körperhaltung der Person, die in dem Video die Übungen ausführt, und bespricht mögliche Fehlerbilder.

Die Stunde der Wahrheit kommt, als wir die Übungen später selbst vormachen und erklären sollen. Kompliziert! Gleichzeitig auf die eigene Körperhaltung achten, sich gut sichtbar zur Gruppe hin ausrichten und beim Erklären nichts vergessen. Alle machen gleich die Übungen mit und die beiden erfahrenen Trainer korrigieren, was das Zeug hält. Ob wir da am nächsten Tag ein Zeugnis bekommen werden, fragen wir uns beim gemeinsamen Abendessen.

Am nächsten Tag sollen wir die Gruppen Workouts bereits selber leiten. Die verschiedenen Workout-Typen sind nach Städten benannt - heute ist New York City dran. Die Teilnehmer stellen sich im Kreis auf, und mein Kollege leitet das Workout ein. Er ist motiviert, denkt an alles, hat die Zeit im Blick und korrigiert sogar noch die Teilnehmer. Ich bin als Letzte an der Reihe. Alles fängt gut an, ich mache die Übungen vor, kontrolliere die Haltungen – und schon ist mir die Zeit davongelaufen. Ich hatte mir das wirklich einfacher vorgestellt. Glücklicherweise kann ich die Situation irgendwie noch retten. Obwohl bei der abschließenden Feedback-Runde mein schlechtes Zeitmanagement kritisiert wird, halte ich am Ende des Tages eine Urkunde in Händen und darf nun stolze Instructorin werden.

www.gettoworkout.com

Hier könnt ihr Gettoworkout an der Uni Tübingen selbst ausprobieren.
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Antonia Heil