• Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön...

  • ...doch bedenke stets zu sitzen, sonst könntst du den Kopf verlier'n.

HOP ON, HOP OFF - UFF SCHWÄBISCH

Die Vorzüge einer Bustour durch Stuttgart liegen eigentlich auf der Hand. Kein planloses Herumlaufen, keine kräftezehrenden Stäffelesmärsche und keine Verlegenheitsantworten auf Fragen wie: Warum ist eure Stadt eigentlich eine einzige Baustelle? Die 15 Euro für die Stuttgart Citytour im roten Doppeldecker scheinen also sinnvoll angelegt wenn man mal Besuch von außerhalb bekommt. Aber lohnt sich die Stadtrundfahrt auch als Stuttgarter?

Unsere Tour - wir haben uns für die Blaue entschieden - startet am Hauptbahnhof, führt von dort weiter zum Schlossplatz, dann hoch zum Eugensplatz und über die Uhlandshöhe in den Stuttgarter Osten zum Schweinemuseum, das mir wohl immer ein Rätsel bleiben wird - was natürlich daran liegen könnte, dass ich noch nie drin war. Dabei ist unsere Stadtrundfahrt wohlgemerkt eigentlich als "Hop On, Hop Off"-Tour konzipiert. An neun Haltestellen besteht die Möglichkeit auszusteigen und alle vierzig Minuten mit dem nächsten Bus weiterzufahren. 

Man kann bei der Citytour außerdem zwischen vielen verschiedenen Sprachen wählen. Ich entscheide mich für schwäbisch in der Hoffnung als Neigschmeckte auch in dieser Hinsicht noch was dazuzulernen. Statt neuer mundartlicher Vokabeln erwarten mich allerdings nur einen leicht chauvinistischer Opa („Nichts macht a Frau schöner als zwoi Gläsle Wein“) und seine über jeden Kalauer lachende Enkelin, die zwar einwandfrei schwäbelt (Sabberlot! Des sich subbr!) aber kulturell noch einiges nachzuholen hat - immerhin hat die Gute noch nie was von Herrgottsbescheißerle gehört.   

Nach der obligatorischen Fahrt durch Bad Cannstatt mit Stop am Mercedes Benz Museum und der Wilhelma, geht es weiter zum Römerkastell. Eine Gruppe Rheinländer verlässt den Bus. Ob sie die Aussicht auf Stuttgart oder eher die auf ein Glas Wein lockte, werden wir wohl nie erfahren. Denn wir fahren weiter, vorbei am Burgholzhof, über den Killesberg und durch den Stuttgarter Westen wieder zurück zum Hauptbahnhof. Auf der Tour bekommen wir natürlich einen Haufen Anekdoten und Wissenswertes über Stuttgart serviert. Manches davon ist mehr, anderes weniger interessant, das meiste sind schwäbische Erfolgsgeschichten - zum Beispiel dass BH, Ritter Schokolade und Spätzlepresse aus Bad Cannstatt kommen und Brezeln und Walddorfschulen ebenfalls im Ländle erfunden wurden. Außerdem sei Stuttgart die einzige Stadt der Welt, die zwei Automobilmuseen hat. Wow. Aber ob das wirklich neugierig macht auf unsere Stadt, die ohnehin ein leichtes Imageproblem hat?

Die authentischen Eindrücke vom lebhaften und geschichtsträchtigen Bohnenviertel und den wunderschönen Häusern entlang der Haußmannstraße - einer ehemaligen Arbeitersiedlung - verblassen leider ein bisschen zu schnell wieder, wenn man kurz darauf zwischen Benz Arena und Schleyer-Halle herumtuckert und reichen blondierten Damen ins Cabrio guckt. Aber vielleicht lebt Stuttgart ja auch genau von diesen Gegensätzen.

Auch wenn einige in meinen Augen sehr interessanteste Gebäude und Kirchen, an denen wir vorbeikommen, leider unerwähnt bleiben - das Mercedes Benz Museum hingegen erschließt sich einem ja dann doch eher von selbst - ist die insgesamt rund 100-minütige Tour hier und da auch ganz lehrreich. Ein paar Fakten, die in lupenreinem Schwäbisch vorgetragen wurden, wusste man auch als jemand, der schon lange in der Stadt wohnt noch nicht. Andere hatte man einfach wieder vergessen - genauso wie ein paar sehenswerte Plätze - zum Beispiel das Café Aussichtsreich oder den China Garten.

Obwohl wir persönlich etwas mehr Action und alternativere Ziele bei einer Stadtrundfahrt vertragen könnten, dürfte die Tour für Oma und Opa sowie waschechte Touristen, die zu Besuch kommen, gut geeignet sein. Und wenn das etwas aufgesetzte Schwabentum unserer zwei Audioguides auch nicht immer authentisch ist - der Stau in dem wir stehen, ist es allemal. In dem gibt's sogar noch ein unterhaltsames extra G'schichtle über das wilde Liebesleben von Herzog Carl Eugen von Württemberg. www.stuttgart-citytour.de

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Thekla Dörler