ÜBER BADEN UND WÜRTTEMBERG

Wer wie ich neu in dieses Bundesland kommt, der hat es in mancherlei Hinsicht wirklich nicht leicht. Ja, die Baden-Württemberger sind schon ein seltsames Völkchen. Bäm. Einspruch!

„Wie kannst du uns als Baden-Württemberger bezeichnen?“ tönte es entrüstet, damals vor vier Jahren, als ich zum ersten Mal einen Fuß auf dieses unbekannte Territorium setzte. Ich wurde sofort belehrt, dass es innerhalb des Bundeslandes immerhin zwei Volksstämme gäbe: Die Schwaben und die Badener - mit völlig unterschiedlichen Dialekten, Traditionen und Ansichten. Jetzt, nach fast vier Jahren genauen Beobachtens der beiden Spezies Badener und Schwaben, fiel mir mit einem Mal das Buch „Baden-Württemberg für Anfänger“ in die Hände. Eine gute Gelegenheit also, mein mittlerweile angeeignetes Wissen zu überprüfen.

Der Autor Andreas Braun ist in Reutlingen geboren. Ich bekomme Zweifel. Kann ein Urschwabe einen wirklich sinnvollen Beitrag dazu leisten, dass sogenannte „Reig´schmeckte“, also Neulinge in Baden-Württemberg, Land, Leute, Sitten und Eigenheiten besser kennen lernen? Müsste das nicht jemand außenstehendes wie ich machen, dem auch nach Jahren im Ländle die hiesigen Besonderheiten immer noch als solche auffallen? Schon mal vorweg: Im Großen und Ganzen liest sich das Buch sehr unterhaltsam und ist für „Reig´schmeckte“ tatsächlich auch lehrreich. Anscheinend kann man Dinge aber sehr unterschiedlich wahrnehmen.

Ein großes Augenmerk legt Braun dann tatsächlich auch auf den Konflikt zwischen Badensern und Schwaben. Bisher hielt ich das immer für wahnsinnig übertrieben. Meine schwäbischen und badischen Freunde verstehen sich alle wunderbar. Als ich deswegen einem Freund amüsiert von Brauns Ausführungen erzählte, berichtete er, der Schwabe, dass badische Eltern ihm einmal deswegen den Umgang mit ihren Kindern verboten hätten. Vielleicht ist also doch was dran.

Statt aber unnötig viele Klischees aufzubauschen, beschreibt der Autor glücklicherweise umfassend die Bräuche und Essgewohnheiten der Schwaben und stellt berühmte Menschen aus dem Südwesten vor. Vom Bundesjogi über die Sieben Schwaben bis hin zu Tipp-Kick und Schwarzwälder Kirschtorte bleibt nichts unerwähnt. Dank Steph Burlefingers lustigen Zeichnungen kann man sich dann davon im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen.

Auch Feinstaub und die schwäbisch-alemannische Fasnet kommen nicht zu kurz. Bei letzterem zumindest gibt der Autor zu, dass die Fasnet nicht etwas rein Baden-Württembergisches ist, sondern auch in anderen Bundesländern und in Österreich und der Schweiz praktiziert wird. Ansonsten pflegt er aber schon sehr seinen schwäbischen Stolz. Als gebürtige Bayerin bin ich sehr versucht, ihm seine kleinen Seitenhiebe übel zu nehmen. Dass die schwäbische Brezel mit ihrem dicken Bauch eleganter aussähe als die bayerische mit ihren schön ebenmäßig gleich schlanken Gliedern, nun, das ist nun wirklich eine Meinung, die man nicht teilen muss. Aber: Das Wichtigste des Wissens, das ich mir in vier Jahren mühsam angeeignet habe, steht hier komprimiert, pointiert und witzig aufbereitet auf 142 Seiten zusammengefasst. Hut ab!

Baden-Württemberg für Anfänger, Silberburgverlag, 2017.
_______________
Antonia Heil